Aus der Geschichte der DLRG Euskirchen

historisches Emblem der DLRG
Der "spähende Adler" - Symbol der DLRG

Mit dem Baden und Schwimmen war es in Euskirchen in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg schlecht bestellt. Unsere Jugend mußte sich mit einigen "tiefen" Stellen der Erft, mit "Hacks Weier" und mit dem eiskalten Wasser an "Ruhrs Fabrik" zufrieden geben, wenn sie Lust auf ein erfrischendes Bad verspürte, oder wenn sie gar schwimmen lernen wollte.

Em Männdekönkel köhl un deef,
wued köhn erömjeschwomme...

Es waren nur "Könkel", die mit einem kräftigen Schwimmstoß in der Länge und Breite durch­schwommen werden konnten. Diese Anlage erfreute sich in dem kommenden Jahrzehnt bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges der lebhaften Inanspruchnahme der Euskirchener Bevölkerung und besonders der Jugend. Was heute den männlichen und weiblichen Alt-Euskirchenern mittleren und reiferen Alters schwimmkundig ist, hat das zuem weitaus größten Teil im städtischen Freibad an den Erftanlagen gelernt - vorher gab es in Euskirchen recht wenig Schwimmer.
Um das Erlernen der edlen Schwimmkunst haben sich die beiden ersten rührigen Bademeister W. Clev und L. Holländer mit ihrem Kameraden A. Meurer, der im Jahre 1927 eingestellt wurde, in der Badeanstalt redlich bemüht. Sie hatten alle Hände voll zu tun, um den lernbegierigen Freibadbesuchern das Schwimmen beizubringen. Doch viele wollten es beim bloßen Schwimmenlernen allein nicht bewenden lassen, man wollte auch das lernen, was zum guten Schwimmer gehört, das "Retten aus Wassernot".

Ja, man kann es erlernen, wenn man die richtige Anweisung bekommt. Aus diesem Grunde setzten sich die Verantwortlichen in der Badeanstalt Euskirchen recht früzeitig mit den zuständigen Fachleuten der Sporthochschule für Leibesübungen und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Verbindung. So konnte schon im Spätsommer 1927 der erste Lehrgang im Rettungsschwimmen abgehalten werden. Bei dieser Gelegenheit erfüllten eine Reihe guter Schwimmer die Bedingungen für den Grundschein der DLRG. Damit war auch der Stamm für eine Vereinigung der Grundscheininhaber innerhalb der DLRG vorhanden, der am Schluß der Sommersaison 1927 die Gründung des Bezirks Euskirchen zuließ.

So war der Anfang gemacht, nun kam die Arbeit im geordneten Rahmen der DLRG. Im Jahre 1928 erfüllten die ersten Euskirchener Schwimmer die Bedingungen zum Erwerb des Leistungsscheins der DLRG. Das waren im Laufe des Badesommers 1928 die Männer, die 35 jugendlichen Schwimmern die Bedingungen für den Grundschein der DLRG abnehmen konnten und die unter Leitung der Bademeister W. Clev und A. Meurer und unter hervorragender Mitarbeit von einigen schwimmbegeisterten Lehrern der städtischen höheren Schulen und vor allem der Euskirchener Volksschulen vielen, vielen Euskirchener Mädchen und Jungen das Schwimmen beibrachten. Es war in den Jahren kurz vor Beginn des zweiten Weltkriegs sogar möglich, daß Volksschulentlaßklassen bis zu 80 % Schwimmer hatten, von denen einer neben den Leistungen im Frei- und Fahrtenschwimmen auch die Erfüllung der Bedingungen für den Grundschein der DLRG nachweisen konnte.

Um bei der Bevölkerung das Interesse für "Schwimmen und Retten" zu wecken und zu heben, wurde durch den Bezirk Euskirchen in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft fast in jedem Jahr bis zum Kriegsausbruch ein Schwimmfest in der Euskirchener Badeanstalt abgehalten. Unter dem damaligen Bezirksleiter G. van Meenen konnte im Jahre 1932 eine glanzvolle Veranstaltung die Stadteuskirchener Bevölkerung begeistern, vor allem deshalb, weil die ganze Veranstaltung von eigenen Kräften der DLRG und von den einsatzfreudigen Mitgliedern des Deutschen Roten Kreuzes der Ortsgruppe Euskirchen getragen wurde.

Die Jahre 1932 bis 1939 waren mit erfolgreicher Arbeit ausgefüllt. Sie brachten dem Bezirk Euskirchen in der DLRG immer mehr Mitglieder, willkommene Mitarbeiter und Freunde. Der Kriegsausbruch 1939 zog einen bösen Strich. Trotzdem ging der Betrieb weiter. Nach manchem Wechsel in der Bezirksleitung übernahm W. Clev im Jahr 1940 wieder den Vorsitz. Mit Unterstützung seines Sohnes M. Clev und des jugendlichen Schwimmers W. Eckstein konnte er durch schwere Kriegsjahre weiterarbeiten und sogar in vielen Lehrgängen Schwimmer und Retter ausbilden. Daß dabei in den Jahren 1943 und 1944 noch Versehrtenausbildung und Schwimmunterricht für Amputierte gegeben werden konnte, verdient besonders erwähnt zu werden.

Im Jahre 1941 wurde die Ortsgruppe Münstereifel gegründet, die heute ein rühriges Glied des Bezirks ist und schon im Gründungsjahr 20 Rettungsschwimmer ausbilden konnte. Die Zahl der bis in diese Zeit im gesamten Bezirk Euskirchen ausgebildeten Rettungsschwimmer erreichte fast die 1000.

Das Kriegsende brachte mit all seinen Wirren die Arbeit in der DLRG zum Erliegen. Die Euskirchener Badeanstalt war total zerstört. Trotzdem wurde schon im Jahre 1945 die Wiederzulassung des Bezirks Euskirchen der DLRG von der Militärregierung auf Antrag genehmigt. M. Clev wurde der neue Bezirksleiter. Im Jahre 1950 gab er die Leitung mit einem Mitgliederstand von ca. 200 an M. Becker ab.
Durch die Zerstörung der Euskirchener Badeanstalt war der Bezirk gezwungen, seine gesamte Lehrgangsarbeit in die Steinbachtalsperre und das Jugendheim Erlenhof zu verlegen. Das war für die Anlaufzeit nach langer Ruhe eine gut genutzte aber mit vielen Schwierigkeiten verbundene Möglichkeit, die einen langsamen Aufstieg des Bezirks zuließ. Aber erst mit der Wiedereröffnung der Euskirchener Badeanstalt im Sommer 1952 bekam die DLRG wieder den rechten Aufschwung. Leider wurde die mit Fleiß einsetzende Lehrgangsarbeit durch die Schließung der Badeanstalten wegen Kinderlähmung unterbrochen und beendet. In den Wintermonaten wurden für die Mitglieder der DLRG durch unseren Bezirksarzt verschiedene Lehrgänge in "Erst-Hilfe" durchgeführt, die für den rechten Rettungsschwimmer unerläßlich sind.

Das Jahr 1953 brachte einen erneuten Wechsel in der Bezirksleitung. M. Clev wurde wieder Bezirksleiter und machte sich mit seinen Vorstandskameraden gleich eifrig an die Arbeit. Im Mai 1953 kam mit der Neugründung der Ortsgruppe Münstereifel ein alter, rühriger Bekannter zu uns. Im August 1953 wurde mit der Gründung der Ortsgruppe Lechenich ein weiterer Schritt zur Verbreitung des Lebensrettungsgedankens im Kreisgebiet Euskirchen getan. Die mit der Leitung der DLRG in Lechenich betrauten Männer geben die Gewähr dafür, daß gute Arbeit geleistet werden wird.
Mit der Eröffnung der Badesaison trat die DLRG wieder in alter Einsatzbereitschaft und Rührigkeit auf den Plan. Mit Lehrgängen und Ausbildungskursen wird der kurze Badesommer genutzt.

Das Ziel liegt fest: Jeder ein Schwimmer, jeder ein Retter!!!

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